USA Today droht Google mit dem Rückzug aus der Suche
Konzernchef Mike Reed will USA Today notfalls aus der Google-Suche nehmen. Der Verlag verlangt Lizenzzahlungen für Inhalte, die Google für KI-Produkte nutzt.

Der größte Zeitungsverlag der USA stellt Google ein Ultimatum. Konzernchef Mike Reed hat im Gespräch mit dem Branchenmagazin Adweek angekündigt, seine Titel notfalls komplett aus der Google-Suche zu nehmen. Der Zeitrahmen: sechs bis zwölf Monate.
Zum Konzern gehören USA Today und mehr als 200 Lokalzeitungen. (bis November 2025 unter dem Namen Gannett)
Reeds Bedingung ist ein Lizenzvertrag. Solche Abkommen hat der Verlag bereits mit Meta, Microsoft und Amazon geschlossen. Google dagegen hat laut Adweek keinen einzigen Verlag unter Vertrag.
Die Rechnung dahinter ist einfach: Wer zahlt, bekommt die Inhalte. Wer nicht zahlt, wird ausgesperrt.
"Ich würde das keine große Entscheidung nennen. Andere Crawler blockieren wir heute schon." (Mike Reed gegenüber Adweek)
Der Verlag verweist auf rund eine Milliarde Seitenaufrufe im Monat. Die Zahl ist nach Reeds Angaben seit etwa drei Jahren stabil. Das Geschäft stützt sich auf Newsletter, Social Media und Veranstaltungen.
Googles Crawler sammelt Daten für die Suche und für KI-Produkte in einem "Abwasch". Verlage können bislang nicht sauber steuern, wofür ihre Texte verwendet werden. Wer in der Suche auftauchen will, liefert damit auch Material für Funktionen wie AI Overviews.
Und gerade die AI Overviews verschärfen den Konflikt zwischen Google und Inhalteproduzenten. Die KI-Antworten stehen direkt über den eigentlichen Suchergebnissen. Viele Nutzer klicken keine Suchergebnisse mehr an. Statistiken aus Studien und Gerichtsunterlagen weisen deutlich weniger Klicks aus, sobald Google eine solche Antwort einblendet.
Zwischen beiden Seiten gab es aber schon vorher Streit. Seit 2023 läuft eine Kartellklage des Verlags gegen Google. Dabei geht es um das Adtech-Geschäft des Suchkonzerns.
Rückenwind bekommt Reed vom Netzwerkdienstleister Cloudflare. Das Unternehmen hat Anfang Juli neue Standardeinstellungen vorgestellt: Ab dem 15. September 2026 halten sie gemischte Crawler automatisch von Seiten mit Werbung fern. Das gilt zunächst für Neukunden und für bestehende Gratis-Konten.
Betroffen sind Crawler, die Suche und KI-Training nicht trennen. Der Googlebot fällt genau in diese Kategorie.
Ob der Verlag die Drohung wirklich in die Tat umsetzt, ist offen. Ein freiwilliger Abschied aus der Google-Suche galt in der Branche angesichts der zu erwartenden Traffic-Verluste bisher als undenkbar. Dem Bericht zufolge bereiten sich aber inzwischen auch andere Publisher auf diesen Schritt vor.
Verschwinden große Nachrichtenmarken aus dem Index, verliert die Suche an Substanz. Die Verlage riskieren ihrerseits einen Teil ihrer Reichweite. Reed hält das für verkraftbar, weil sein Geschäft immer weniger am Such-Traffic hängt.