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Muse Spark 1.1: Meta verlangt erstmals Geld für sein KI-Modell

Meta hat Muse Spark 1.1 vorgestellt und startet dazu eine bezahlte Entwickler-API. Das Modell ist auf Agenten-Aufgaben und Coding zugeschnitten und kostet deutlich weniger als die Topmodelle der Konkurrenz. Ein Überblick über Funktionen, Preise, Benchmarks und Kritik.

Sebastian Fiebiger4Min. Lesezeit
Meta-AI-Logo und Schriftzug auf dem Bildschirm eines Smartphones vor unscharfem Programmcode
Meta veröffentlicht Muse Spark 1.1 (Foto: Samuel Boivin | Shutterstock)

Meta hat Muse Spark 1.1 veröffentlicht. Das neue Modell ist seit dem 9. Juli 2026 verfügbar. Entwickelt hat es Metas KI-Abteilung. (Meta Superintelligence Labs)

Über die neue Meta Model API verlangt der Konzern erstmals Geld für den Zugang zu einem eigenen Modell.

Der Anspruch ist klar: Mark Zuckerberg nennt Muse Spark 1.1 ein "strong agentic and coding model at a very low price". Meta tritt damit in direkten Wettbewerb mit OpenAI und Anthropic.

Muse Spark 1.1 ist ein multimodales Reasoning-Modell. Es verarbeitet neben Text auch Bilder, Videos und Dokumente. Im Mittelpunkt stehen agentische Aufgaben und das Programmieren. Zudem kann das Modell Software direkt bedienen.

Das Kontextfenster umfasst eine Million Token. Diesen Speicher verwaltet das Modell laut Meta selbstständig. Es verdichtet ältere Arbeitsschritte und behält die entscheidenden Informationen für später.

Muse Spark 1.1 soll auch ganze Agenten-Teams steuern können. Als Hauptagent plant es die Arbeit und verteilt Aufgaben an parallele Unteragenten.

Die erste Version der Spark-Reihe ist im April 2026 erschienen. Der Sprung auf 1.1 bringt nach eigenen Angaben vor allem Fortschritte beim Einsatz externer Tools.

Die Meta Model API startet als öffentliche Preview und ist zunächst nur in den USA nutzbar. Neue Konten erhalten ein Startguthaben von 20 Dollar. Danach zahlen Entwickler wie bei anderen Anbietern nach Verbrauch.

Einen Termin für den Start in Europa nennt Meta bisher nicht.

Die Preisliste (je eine Million Token) zeigt den Abstand zu den Topmodellen der Konkurrenz:

ModellInputOutput
Muse Spark 1.11,25 Dollar4,25 Dollar
Grok 4.52 Dollar6 Dollar
Claude Opus 4.85 Dollar25 Dollar
GPT-5.6 Sol5 Dollar30 Dollar

Damit liegt Muse Spark 1.1 preislich auf dem Niveau kleiner Konkurrenzmodelle. (zum Beispiel Claude Haiku 4.5) Für gecachte Eingaben sinkt der Preis auf 0,15 Dollar je eine Million Token.

Die API nutzt das Format von OpenAI. Bestehender Code läuft also mit wenigen Anpassungen auch mit Spark.

Wer das Modell nur ausprobieren will, braucht gar keine API. Es arbeitet bereits im "Thinking"-Modus der Meta-AI-App und auf der Website meta.ai.

Meta hat zum Start einen eigenen Benchmark-Report veröffentlicht. Darin führt Muse Spark 1.1 in vier von zwölf Tests. Claude Opus 4.8 liegt in fünf Tests vorn und GPT-5.5 in drei. Besonders stark schneidet das Modell bei agentischen Aufgaben ab.

Balkendiagramm: Muse Spark 1.1 im Vergleich mit Claude Opus 4.8, GPT-5.5 und Gemini 3.1 Pro in drei Agenten-Benchmarks

BenchmarkMuse Spark 1.1Claude Opus 4.8GPT-5.5Gemini 3.1 Pro
MCP Atlas88,182,275,378,2
JobBench54,748,438,315,9
Humanity's Last Exam62,157,952,251,4

Alle Werte laut Meta (Stand: 9. Juli 2026).

Beim Programmieren reicht es aber nicht für die Spitze. Im Test SWE-Bench Pro kommt Muse Spark 1.1 auf 61,5 Punkte und damit auf Platz drei. Claude Opus 4.8 führt dort mit 69,2 Punkten. Beim Coding-Test DeepSWE 1.1 sieht die Reihenfolge ähnlich aus.

Auffällig ist die Auswahl der Vergleichsmodelle. Das aktuelle Anthropic-Spitzenmodell Claude Fable 5 taucht in Metas Tabellen gar nicht auf.

Unabhängige Zahlen stehen noch aus.

Die Spark-Reihe markiert einen Strategiewechsel. Jahrelang hat Meta seine Llama-Modelle mit Open Weights zum Herunterladen angeboten. Muse Spark bleibt dagegen geschlossen und ist nur über Metas eigene Dienste nutzbar.

Hinter dem Kurswechsel steht Alexandr Wang. Meta hat sich 2025 für rund 14,3 Milliarden Dollar an seiner Datenfirma "Scale AI" beteiligt. Anschließend hat der Konzern seine KI-Sparte unter dem Namen "Meta Superintelligence Labs" neu aufgebaut. Wang führt die Abteilung seitdem als erster "Chief AI Officer" des Konzerns.

Die bezahlte Schnittstelle erschließt Meta eine neue Einnahmequelle. Bisher hat das Unternehmen sein Geld nahezu ausschließlich mit Werbung verdient. Der Jahresgewinn lag zuletzt bei mehr als 60 Milliarden Dollar. Einen längeren Preiskampf kann sich der Konzern also leisten.

Zur neuen Modellfamilie gehören inzwischen auch "Muse Image" für Bilder und "Muse Video" für Videos.

Das erste Echo auf Hacker News fällt gemischt aus. Ein Nutzer beschreibt das Modell als "opus level intelligence for haiku prices". Ein anderer Tester ordnet die Qualität dagegen unterhalb von Claude Sonnet ein.

Der Entwickler Simon Willison hat das Modell vorab getestet und dafür ein eigenes Kommandozeilen-Plugin gebaut. Ein Detail aus seinem Bericht: Lässt man zwei Kopien des Modells miteinander reden, driften sie ins Philosophische ab.

Ärger gibt es wegen der Länderbeschränkung. Entwickler aus Kanada und Vietnam sehen beim Zugriff nur eine Fehlermeldung. ("Model API is not available in your region")

Auch der Abschied vom Open-Source-Kurs kommt schlecht an. Ein Teil der Szene will grundsätzlich nur Modelle mit Open Weights einsetzen.

Alle Benchmark-Daten zum Start stammen von Meta selbst.

Ein Kommentator auf Hacker News beschreibt sich als ehemaliger Meta-Mitarbeiter. Er wirft dem Konzern vor, beim Test Terminal Bench 2.1 gegen die Regeln verstoßen zu haben. Das Modell soll mit sechs statt der erlaubten vier Prozessorkernen gelaufen sein. In der offiziellen Rangliste des Tests fehlt Muse Spark bislang.

Mehrere Nutzer erinnern auch an den Start von Llama 4 im Jahr 2025. Damals hat Meta eine speziell angepasste Version in ein öffentliches Chatbot-Ranking geschickt. Das Misstrauen aus dieser Zeit wirkt bis heute nach.

Offen ist auch die Frage nach dem Token-Verbrauch. Der niedrige Listenpreis sagt wenig darüber aus, wie viele Token das Modell für eine Aufgabe braucht. Ob der Kostenvorteil in der Praxis hält, müssen jetzt unabhängige Tests zeigen.