OpenAI: GPT-5.6 startet mit 3 Leistungsstufen - Sol, Terra und Luna
OpenAI hat GPT-5.6 freigegeben. Das Topmodell Sol soll Claude Mythos 5 übertreffen und die Hälfte kosten. Der Start des Modells wurde von der US-Regierung verzögert. Ein Überblick über Benchmarks, Preise und Kritik.

OpenAI hat GPT-5.6 für die breite Öffentlichkeit freigegeben. Seit dem Abend des 9. Juli 2026 sind die drei Varianten Sol, Terra und Luna öffentlich verfügbar.
Angekündigt hatte OpenAI die Modellfamilie schon am 26. Juni. Doch die US-Regierung prüfte das Modell zunächst.
Mit den neuen Namen sortiert OpenAI sein Angebot: "Sol" ist das Spitzenmodell für komplexe Aufgaben. Darunter liegen die Mittelklasse "Terra" und die günstige und schnelle Variante "Luna". OpenAI bezeichnet Sol als sein bislang stärkstes Modell und vergleicht es mit Claude Mythos 5 von Anthropic.
Die Zahl 5.6 steht künftig nur noch für die Generation. Sol, Terra und Luna sind feste Leistungsstufen und sollen sich unabhängig weiterentwickeln. Anthropic fährt mit Opus, Sonnet und Haiku seit Jahren ein ähnliches Schema.
Das Kontextfenster umfasst laut API-Dokumentation eine Million Token für Sol und Terra. Luna kommt auf 400.000 Token.
OpenAIs wichtigstes Verkaufsargument ist aber die Effizienz. Firmenchef Sam Altman beziffert den Effizienz-Gewinn beim agentischen Coden auf 54 Prozent. Jedes Unternehmen schaue derzeit auf Kosten und Gegenwert bei KI, so Altman zu CNBC.
Die Anwendungsschwerpunkte von GPT 5.6 sind die Softwareentwicklung und die Cybersicherheit. Dazu kommen Fortschritte in Genomik und quantitativer Biologie. In internen Tests zur Cybersicherheit erreichte Sol das Niveau von Claude Mythos 5 und brauchte dafür nur rund ein Drittel der Token.
Halluzinationen sollen seltener auftreten als bei allen bisherigen OpenAI-Modellen.
Für besonders harte Aufgaben gibt es den Modus "Sol Ultra". Er kostet keinen Aufpreis und bringt in Benchmarks rund drei Punkte mehr.
So staffeln sich die Preise (je eine Million Token) im Vergleich mit Anthropic:
| Modell | Input | Output |
|---|---|---|
| GPT-5.6 Luna | 1 Dollar | 6 Dollar |
| GPT-5.6 Terra | 2,50 Dollar | 15 Dollar |
| GPT-5.6 Sol | 5 Dollar | 30 Dollar |
| Claude Fable 5 | 10 Dollar | 50 Dollar |
Sol kostet damit genauso viel wie der Vorgänger GPT-5.5. Terra soll dessen Leistung zum halben Preis liefern. Beim Prompt Caching gibt es neue Regeln. Wiederverwendete Eingaben kosten 90 Prozent weniger und bleiben mindestens 30 Minuten im Zwischenspeicher.
Verfügbar sind die Modelle über die API und das Coding-Werkzeug Codex. Wann sie regulär in ChatGPT landen, lässt OpenAI noch offen. Beim Spezialchip-Anbieter Cerebras soll Sol im Laufe des Juli mit bis zu 750 Token pro Sekunde laufen.
Der Rollout läuft laut OpenAI weltweit und schließt Europa ein.
Der späte Start hat einen politischen Hintergrund. Der KI-Erlass von US-Präsident Trump, der seit Juni in Kraft ist, verpflichtet die Anbieter besonders starker Modelle zu einer Vorlaufzeit. Die Regierung bekommt solche Modelle 30 Tage vor dem breiten Launch zur Prüfung. Das "Center for AI Standards and Innovation" (eine Behörde des US-Handelsministeriums) hat GPT-5.6 in dieser Zeit zusätzlich getestet.
Bis zur Freigabe hatten nur ausgewählte und von der Regierung ausgewählte Partner Zugriff auf das Modell. OpenAI hat die Auflagen offen kritisiert. Ein solcher Prozess dürfe nicht zum Dauerzustand werden und halte die besten Werkzeuge von Entwicklern fern. Auch Anthropic war von der Regelung betroffen. Die Modelle Mythos 5 und Fable 5 unterlagen zeitweise Zugangsbeschränkungen für das Ausland.
Ein Forschungspapier zur Genomik hat drei unangekündigte Pro-Varianten geleakt. Ob und wann Sol Pro, Terra Pro und Luna Pro erscheinen, ist allerdings offen.
OpenAI hat zum Start eigene Benchmarks veröffentlicht. Im Fokus steht dabei der Coding-Benchmark Terminal-Bench 2.1. Er prüft mehrstufige Aufgaben auf der Kommandozeile.
| Modell | Terminal-Bench 2.1 |
|---|---|
| GPT-5.6 Sol Ultra | 91,9 % |
| GPT-5.6 Sol | 88,8 % |
| Claude Mythos 5 | 88,0 % |
| GPT-5.6 Terra | 84,3 % |
| GPT-5.5 | 83,4 % |
| GPT-5.6 Luna | 82,5 % |
| Claude Opus 4.8 | 78,9 % |
| Gemini 3.1 Pro Preview | 70,7 % |
Alle Werte laut OpenAI (Stand: 9. Juli 2026).
Im Ultra-Modus setzt sich Sol klar an die Spitze. Das Basismodell liegt knapp vor Claude Mythos 5. Auch die kleine Luna-Variante schlägt immerhin noch Claude Opus 4.8.
Bei der Biologie bleibt OpenAI vage. Die System Card spricht von deutlichen Zuwächsen in Benchmarks des Projekts SecureBio, nennt aber keine konkreten Werte. Zahlen zum verbreiteten Test SWE-Bench Pro fehlen ebenfalls.
Unabhängige Ranglisten führen GPT-5.6 noch nicht.
Sam Altman hat den Start auf X mit den Worten "Happy building" begleitet. Die erste Aufregung galt dann aber gar nicht der Technik.
Sol, Terra und Luna sind in der Krypto-Szene belegte Namen. SOL ist das Kürzel der Kryptowährung Solana. Deren offizieller Account hat knapp mit "Sam Altcoinman" geantwortet. Terra und Luna erinnern zudem an den großen Krypto-Crash von 2022.
Erste Tester loben vor allem den kompakten Code. In einem Beta-Vergleich ist Sol mit rund einem Fünftel der Codezeilen von Claude Opus ausgekommen. Ein Nvidia-Entwickler hat eine CUDA-Aufgabe mit Sol in 30 Stunden gelöst. Claude Opus hatte für den selben Job zuvor 64 Stunden gebraucht.
Aber es gibt auch Gegenwind. Bei sehr schweren Aufgaben scheitert Sol in Tests häufiger als Claude Fable 5. Mehrere Entwickler ärgern sich zudem über strenge Sicherheitsfilter. Diese blockieren teilweise ganz normale Programmier-Aufgaben.
Die wichtigste Kritik kommt vom unabhängigen Prüfinstitut METR. Dessen Tester haben bei Sol die höchste Schummel-Rate aller bisher öffentlich geprüften Modelle gemessen. Das Modell hat Fehler in der Testumgebung ausgenutzt und hinterlegte Musterlösungen ausgelesen. Anschließend hat es versucht, die Spuren zu verwischen. Verlässliche Leistungsdaten sind so kaum zu gewinnen.
METR misst üblicherweise die Dauer der Aufgaben, die ein Modell allein bewältigt. Bei Sol schwankt dieser Wert zwischen gut 11 und mehr als 270 Stunden. Eine belastbare Einschätzung vor dem Start war damit nicht möglich.
Ein Punkt geht dabei aber klar an OpenAI. Das Unternehmen hat das Verhalten selbst entdeckt und offen dokumentiert. METR lobt diese Transparenz ausdrücklich. Auch die eigene System Card räumt eine Neigung zur Täuschung ein.
Ärger gab es auch bereits vor dem Launch. Ende Juni hatte OpenAI einige Codex-Nutzer ohne Ankündigung auf GPT-5.6 umgeleitet. Aufgeflogen ist die Sache durch einen versteckten Prompt.
Die alte Grundregel gilt auch hier: alle Benchmark-Zahlen zum Start stammen vom Hersteller selbst. In den Entwickler-Foren lautet der häufigste Rat deshalb schlicht "erst einmal selbst testen". Ob Sol den Vorsprung in neutralen Messungen bestätigt, werden die kommenden Tage und Wochen zeigen.