Bericht: DeepSeek arbeitet an eigenem KI-Chip
DeepSeek arbeitet laut Reuters an einem eigenen Chip für den Betrieb von KI-Modellen. Das Projekt läuft demnach seit rund einem Jahr. Ziel ist mehr Unabhängigkeit von Nvidia und Huawei. Eine Bestätigung des Unternehmens steht aus.

Das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek entwickelt offenbar einen eigenen Chip. Das hat die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die Agentur beruft sich dabei auf drei Insider. DeepSeek hat eine Anfrage dazu bisher nicht beantwortet.
Der Chip ist für die sog. "Inferenz" konzipiert. So nennt man den laufenden Betrieb fertig trainierter KI-Modelle. Für das Training neuer Modelle ist der neue Prozessor also nicht vorgesehen.
Der Bericht nennt weitere Einzelheiten:
- Das Projekt ist vor rund einem Jahr gestartet und befindet sich noch in einem frühen Stadium.
- DeepSeek hat in den vergangenen Monaten Chip-Designer eingestellt. Öffentliche Stellenanzeigen gab es dafür allerdings nicht.
- Das Unternehmen spricht mit Chipdesign-Firmen, Auftragsfertigern und Speicherherstellern.
Die Nvidia-Aktie hat auf die Nachricht im vorbörslichen Handel mit Kursverlusten reagiert. Dahinter steht offenbar die Sorge, dass sich die Konkurrenz im KI-Hardware-Geschäft verschärft.
Die Entwicklung eines konkurrenzfähigen KI-Chips dauert in der Regel mehrere Jahre und löst hohe Forschungs- und Entwicklungskosten aus.
Die Exportpolitik der USA erschwert die Chip-Entwicklung für chinesische Anbieter zusätzlich. Die modernsten Auftragsfertiger sind für chinesische Chip-Designer tabu. Auch der für KI-Anwendungen benötigte Hochleistungsspeicher (High Bandwidth Memory) ist in China schwer zu bekommen.
Der Branchenanalyst Richard Windsor von Radio Free Mobile sieht für einen DeepSeek-Chip kaum Absatzchancen außerhalb Chinas.
DeepSeek folgt mit der Eigenentwicklung anderen großen KI-Firmen. OpenAI hat im Juni 2026 zusammen mit Broadcom den Inferenz-Chip Jalapeno vorgestellt. Der erste Einsatz ist für Ende 2026 geplant. Auch Anthropic denkt laut Medienberichten über einen eigenen Chip nach.
Der Bericht taxiert den chinesischen Markt für KI-Chips auf rund 50 Milliarden Dollar. Huawei kontrolliert etwa die Hälfte davon, bekommt aber zunehmend Konkurrenz. Auch Alibaba und Baidu drängen mit eigenen Chips auf den Markt.
DeepSeek sitzt im chinesischen Hangzhou und stammt aus dem Umfeld des Hedgefonds "High-Flyer". Bekannt ist das Unternehmen vor allem für das KI-Modell R1. DeepSeek hat es im Januar 2025 veröffentlicht. Das Modell ist günstig im Betrieb und frei verfügbar. Die Veröffentlichung schickte damals die Aktienkurse großer Chip-Konzerne auf Talfahrt.
Hinweise auf eine eigene Hardware-Strategie bei Deepseek gab es schon länger. Im August 2025 hat die Firma ein Modell nach eigenen Angaben auf kommende chinesische Chips zugeschnitten.
Reuters berichtet außerdem von einer geplanten Finanzierungsrunde. DeepSeek will demnach 7 Milliarden US-Dollar einsammeln. Die Bewertung der Runde soll bei 52 bis 59 Milliarden Dollar liegen.
Hinweis: Alle Angaben zu dem Chip-Projekt beruhen bisher allein auf dem Reuters-Bericht. Und sind bislang nicht bestätigt.